Donnerstag, 15. Januar 2009

Schützt eine Netzblocke Kinder vor Missbrauch?

Das sollte man sich genau überlegen, wenn man die Pläne der Bundesregierung so liest. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, Bundesinnenminister Schäuble und Bundeswirtschaftsminister Glos wollen gemeinsam die Sperrung von Internetseiten vorrantreiben, die Kinderpornographie anbieten.

Oberflächlich betrachtet ein guter Schritt. Schliesslich muss Kriminalität bekämpft werden. Insbesondere wenn die Opfer schwache Menschen, respektive Kinder sind.

Wenn man das Vorhaben genauer betrachtet, rückt sich das Ganze in ein anderes Licht...

Lassen sich Filter umgehen?

Eine wichtige Frage, ist sowas wirksam? Nein, denn Filter oder Netzblockaden lassen sich einfach umgehen. Beispielsweise durch Proxies. Das weiss mittlerweile auch das Bundesfamilienministerium, so schreibt dieses:

Technisch versierte Internetnutzer werden immer Wege finden, die Sperren zu umgehen. Entscheidend ist aber, dass dadurch der Zugang für die große Masse der durchschnittlich versierten Internetnutzer blockiert wird. Das trifft die Anbieter wirtschaftlich. Das deutliche STOP-Schild erhöht zudem die gesellschaftliche Ächtung des Missbrauchs

Eigentlich unverschämt, der grossen Masse der durchschnittlich versierten Internetnutzer zu unterstellen, sie seien auf der Suche nach Kipo. Die Leute die sich so etwas abartiges reinziehen, sind bestimmt nicht auf den Kopf gefallen. Solche Leute sind in der Regel organisiert und verstehen sich im Umgang mit der Technik.

Erhöht gesellschaftliche Ächtung? Ich glaube es gibt nichts, was mehr verachtet wird, wie der Missbrauch von Kindern, oder?.

Was wird eigentlich mit solchen Filtern gemacht?

Gute Frage. In Dänemark gibt es bereits so etwas. Hier sollte man sich mal die Auswertung der dänischen Sperrliste anschauen. Entsprechende Keywords in einer beliebigen Suchmaschine fördern die Auswertung zu Tage. Laut der Liste werden 1047 Seiten blockiert. Von denen sind unter einem Prozent, wahrscheinlich Seiten mit eben diesem verabscheuungswürdig Inhalt.

Der Rest hat komischerweise nichts mit diesem Thema zu tun. Darunter sind dann auch Seiten wie: www.thaimisc.com - welches eine Plattform für Webmaster darstellt. Hier war der Grund wohl, dass es eine arabische Seite ist - Achtung Terror!.

Was nun?

Vielleicht wäre es besser, aktiv gegen Missstände vorzugehen, als nur die Symtome zu bekämpfen. Beispielsweise die Kinderbordelle in Sachsen, in denen Staatsbeamte verkehrten. Oder Ermittlungsverbote, oder Wiedergutmachung von missbrauchten Kindern in Heimen (Von der Layen stemmt sich übrigens dagegen) um nur ein paar Beispiele zu nennen. Im Gegenstatz hierzu, wird lieber an einem weiteren Zensurappart gebastelt.

Ein paar Gedanken zum Schluss

Nun muss man sich ernsthaft fragen, ob der KIPO durch die Schaffung eines Zensurapperates eingedämmt wird. Oder wird er dann verwendet um zusätzlich unerwünschte Webseiten auszublenden, bzw zu blockieren?

Ist einer von euch, schon mal beim surfen, zufällig auf eine solche Seite gestossen? Selbst nach 10 Jahren Internet kann ich mit ruhigem Gewissen sagen: Nein.

Diejenigen, die sich wiederrum des Mediums Internet bedienen, wissen genau wie man Spuren verwischt und Netzblockaden umgeht. Wenn nicht - Darwin - werden diese schnell aus dem Blickfeld der Gesellschaft entfernt.

Also: Wenn die Sperrung von Webseiten Kinder helfen würde, bin ich dafür. Wenn die Netzblockade als Zensurmassnahme verwendet wird, bin ich dagegen.

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New World Order
Von Mr.Foo in New World Order am 15.01.09@20:35 Uhr

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1 Kommentare
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Älx - #1 - 16.01.2009 01:45 - (Antwort)

Um es mal so zu sagen: Nein!
Hier würde, meines Erachtens nach wieder Geld investiert, dass an anderer Stelle viel besser wirken würde.
Beispiel?
Fortbildungen für päd.Fachkräfte zum Thema Missbrauch, weitere Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche, die nicht unter Personal- und Geldmangel leiden, Aufklärungen in Schulen und anderen Einrichtungen, Weiterbildungen für JA-Mitarbeiter (und am besten direkt noch ein paar mehr Stellen, damit sich der Betreuer auch intensiv um die Klienten kümmern kann und nicht nur 5 Min. pro Fall hat)
Oh...mir würde so einiges einfallen, was man mit dem Geld anstellen könnte.
Aber nein, Prävention und Akuthilfe ist ja an dieser Stelle anscheinend nicht wichtig genug.

Um mal eine Textstelle zu zitieren
"In Deutschland können so bis zu 300.000 Zugänge am Tag verhindert werden."
Ja toll, aber helfen die gesperrten Zugänge Missbrauch zu stoppen? Nicht wirklich.
Der Aufwand die Sperrungen zu veranlassen, das Personal und die Kosten könnte man umlegen in direkten Schutz für Kinder und Jugendliche.
Sieht das dann etwa so aus, dass man denkt ein Mitarbeiter in der "Schaltzentrale" ersetzt eine kompetente Einrichtung mit zwei Fachkräften?

Tja...was soll einem dazu nur einfallen.

Und mal so am Rande, der eine Name im Text sagt doch alles, oder nicht?


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