Das sollte man sich genau überlegen, wenn man die Pläne der Bundesregierung so liest. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, Bundesinnenminister Schäuble und Bundeswirtschaftsminister Glos wollen gemeinsam die Sperrung von Internetseiten vorrantreiben, die Kinderpornographie anbieten.
Oberflächlich betrachtet ein guter Schritt. Schliesslich muss Kriminalität bekämpft werden. Insbesondere wenn die Opfer schwache Menschen, respektive Kinder sind.
Wenn man das Vorhaben genauer betrachtet, rückt sich das Ganze in ein anderes Licht...
Lassen sich Filter umgehen?
Eine wichtige Frage, ist sowas wirksam? Nein, denn Filter oder Netzblockaden lassen sich einfach umgehen. Beispielsweise durch Proxies. Das weiss mittlerweile auch das Bundesfamilienministerium, so schreibt dieses:
Technisch versierte Internetnutzer werden immer Wege finden, die Sperren zu umgehen. Entscheidend ist aber, dass dadurch der Zugang für die große Masse der durchschnittlich versierten Internetnutzer blockiert wird. Das trifft die Anbieter wirtschaftlich. Das deutliche STOP-Schild erhöht zudem die gesellschaftliche Ächtung des Missbrauchs
Eigentlich unverschämt, der grossen Masse der durchschnittlich versierten Internetnutzer zu unterstellen, sie seien auf der Suche nach Kipo. Die Leute die sich so etwas abartiges reinziehen, sind bestimmt nicht auf den Kopf gefallen. Solche Leute sind in der Regel organisiert und verstehen sich im Umgang mit der Technik.
Erhöht gesellschaftliche Ächtung? Ich glaube es gibt nichts, was mehr verachtet wird, wie der Missbrauch von Kindern, oder?.
Was wird eigentlich mit solchen Filtern gemacht?
Gute Frage. In Dänemark gibt es bereits so etwas. Hier sollte man sich mal die Auswertung der dänischen Sperrliste anschauen. Entsprechende Keywords in einer beliebigen Suchmaschine fördern die Auswertung zu Tage. Laut der Liste werden 1047 Seiten blockiert. Von denen sind unter einem Prozent, wahrscheinlich Seiten mit eben diesem verabscheuungswürdig Inhalt.
Der Rest hat komischerweise nichts mit diesem Thema zu tun. Darunter sind dann auch Seiten wie: www.thaimisc.com - welches eine Plattform für Webmaster darstellt. Hier war der Grund wohl, dass es eine arabische Seite ist - Achtung Terror!.
Was nun?
Vielleicht wäre es besser, aktiv gegen Missstände vorzugehen, als nur die Symtome zu bekämpfen. Beispielsweise die Kinderbordelle in Sachsen, in denen Staatsbeamte verkehrten. Oder Ermittlungsverbote, oder Wiedergutmachung von missbrauchten Kindern in Heimen (Von der Layen stemmt sich übrigens dagegen) um nur ein paar Beispiele zu nennen. Im Gegenstatz hierzu, wird lieber an einem weiteren Zensurappart gebastelt.
Ein paar Gedanken zum Schluss
Nun muss man sich ernsthaft fragen, ob der KIPO durch die Schaffung eines Zensurapperates eingedämmt wird. Oder wird er dann verwendet um zusätzlich unerwünschte Webseiten auszublenden, bzw zu blockieren?
Ist einer von euch, schon mal beim surfen, zufällig auf eine solche Seite gestossen? Selbst nach 10 Jahren Internet kann ich mit ruhigem Gewissen sagen: Nein.
Diejenigen, die sich wiederrum des Mediums Internet bedienen, wissen genau wie man Spuren verwischt und Netzblockaden umgeht. Wenn nicht - Darwin - werden diese schnell aus dem Blickfeld der Gesellschaft entfernt.
Also: Wenn die Sperrung von Webseiten Kinder helfen würde, bin ich dafür. Wenn die Netzblockade als Zensurmassnahme verwendet wird, bin ich dagegen.